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Interview mit dem Bundesfachwart Schießen, Polizeidirektor Edgar Dommermuth

Polizeidirektor Edgar Dommermuth

Bitte stellen Sie sich kurz persönlich vor!

Edgar Dommermuth, 1961 geb. in Koblenz, verheiratet mit Barbara Niedernhuber (ehemalige Weltklasse-Rennrodlerin), 2 Söhne aus 1. Ehe, wohnhaft in Schönau am Königssee, seit 20 Jahren Jagdscheininhaber, sportliches Interesse: Alpinskifahren, Jogging, Biken, Motorrollerfahren

Welche Tätigkeit üben Sie derzeit aus und wie ist ihr dienstlicher Werdegang?

Zurzeit bin ich der Leiter der 2017 neu errichteten Bundespolizeiinspektion Freilassing an der deutsch-österreichischen Grenze.
Werdegang:

  • Fachhochschulstudium von 1980 – 1983,
  • anschl. bis 1994 unterschiedliche Verwendungen als Wasserwerfer- und Sonderwagenzugführer, Führer Technischer Einsatzzug, stellvertretender Hundertschaftsführer in der damaligen Grenzschutzabteilung Mitte2, Bad Hersfeld,
  • 1994 – 1996 Ausbildung für den höheren Polizeivollzugsdienst in Lübeck und Münster
  • seit 1996 in unterschiedlichsten Verwendungen: Stellvertretender Amtsleiter in Stuttgart und München, Stabbereichsleiter Technik im Grenzschutzpräsidium Süd in München, Leiter des Aus- und Fortbildungszentrums Oerlenbach, Leiter der Inspektionsgruppe Flughafen München (größte Dienststelle der Bundespolizei in Bayern), zunächst Leiter des Aufbaustabes, jetzt Leiter der BPOLI Freilassing mit Schwerpunkt Deutsch-Österreichische Grenze


Seit wann sind sie als Fachwart der Schützen tätig und wie sind Sie zu diesem Nebenamt gekommen?

Im Jahr 2013 wurde ich als Fachwart Schießen in den Fachausschuss des DPSK berufen. Seit 1986 habe ich als Mannschaftsführer die Auswahlmannschaft Schießen des Bundes regelmäßig bei Deutschen Polizeimeisterschaften angeführt. 2003 wurde ich Fachwart Schießen des Bundes (Bundespolizei und BKA) als Nachfolger von Gerhard Beyer, einem der ganz Großen im deutschen Schützenwesen.

Welche Verbindungen haben Sie zum Schießsport und in welcher Disziplin waren / sind Sie aktiv?

Ich selbst habe 1984 mit dem Pistole Schießen begonnen und im nordhessischen Rotensee Luftpistole, Sportpistole KK und GK sowie Freie Pistole geschossen. Unter der Anleitung meines damaligen Mentors Gerhard Beyer habe ich es bis zur Teilnahme an Landesmeisterschaften geschafft. Eine vorbildliche dienstliche Förderung war schon damals als Angehöriger der Auswahlmannschaft des Bundes möglich. In den 80er Jahren gab es neben G. Beyer mit Sebastian Forstner und Markus Stark einige weitere herausragende Sportschützen mit Nationalkaderstatus. Daher hat es mit meinen bescheidenen Leistungen nicht zu einer aktiven Teilnahme als Schütze bei Deutschen Polizeimeisterschaften gereicht.
Nach dem Aufstieg und bedingt durch die dienstlichen Ortswechsel habe ich das Sportschießen Ende der 90er weitgehend zurückgefahren.

Wie ermitteln Sie die Sportlerinnen und Sportler, die unser Land in der Nationalmannschaft vertreten?

Die Zusammenstellung der Nationalmannschaft ist nicht ganz einfach. Deutschland zählt sicher mit zu den starken Schießsport-Nationen. Mein Ziel ist es daher, mit den besten Schützen anzutreten. Dank der Spitzensportförderung in den Ländern und beim Bund gibt es mittlerweile viele Polizeiangehörige, die in den verschiedensten Kadern schießen und es gibt eine enorm hohe Leistungsdichte in der Spitze. Über einen Vergleich der zurückliegenden Leistungen bei nationalen und internationalen Wettkämpfen und Meisterschaften identifizieren die Trainer im Gewehr- und Pistolenbereich diejenigen, die dann zu einer im April stattfindenden Qualifikation eingeladen werden. Aus dieser Qualifikation und unter Einbeziehung von Ergebnissen bei einer zeitgleich stattfindenden Schießsportveranstaltung, im besonderen Einzelfall auch durch von mir zu vertretender Setzung von Spitzenschützen, werden dann die beiden stärksten Schützinnen und Schützen einer Disziplin ermittelt und benannt.

Wie sehen Sie die Chancen des deutschen Teams und welche Nationen sind erfahrungsgemäß besonders starke Konkurrenten?

Bei den 16. Europäischen Polizeimeisterschaften 2017 in Kasan/Russland waren nur 9 europäische Länder am Start.  Russland, Rumänien und Frankreich waren die erfolgreichsten Länder, sie werden sicher auch in Suhl hervorragende Schützinnen und Schützen präsentieren. Wie bereits ausgeführt verfügt auch Deutschland über eine ganze Reihe herausragender Sportlerinnen und Sportler. Wir möchten natürlich bei einer EPM im Heimatland mit guten Ergebnissen aufwarten, das Potenzial dazu ist vorhanden.

Werden Sie und die Athletinnen und Athleten durch die jeweiligen Vorgesetzten ausreichend bei der Vorbereitung auf dieses große Turnier unterstützt?

Athleten die sich in der Spitzensportförderung befinden, bekommen seitens des Dienstherrn jegliche Unterstützung. Bei den Sportlern, die einen solchen Status nicht haben, ist immer eine individuelle Abstimmung der sportlichen Ziele mit den dienstlichen Notwendigkeiten erforderlich. Immer dann, wenn Sportlerinnen und Sportler sich noch in einer Laufbahnausbildung befinden, muss der Sport zugunsten des Dienstes ein Stück zurücktreten.
Ich persönlich erhalte die erforderliche Unterstützung durch meine Vorgesetzten (Dienstreisen, Teilnahme an Tagungen, Vorbereitung u. Durchführung DPM, EPM) die Tätigkeiten im Tagesgeschäft des Hauptamtes sind aber in jedem Fall zu leisten

Welche Erwartungen haben Sie an uns als Gastgeber und wie müsste der Wettkampf aus Ihrer Sicht ablaufen, dass es eine gelungene Europameisterschaft ist?

Die Erwartungen sind eigentlich bei jeder Sportveranstaltung die gleichen.
Wichtig sind:

  1. eine Wettkampfstätte die den internationalen Anforderungen gerecht wird und reibungslose Wettkämpfe ermöglicht. Mit dem Schießsportzentrum Suhl verfügt Deutschland über eine der modernsten Anlagen und bietet meiner Meinung nach sehr gute Voraussetzungen für spannende Wettkämpfe
  2. eine durchdachte und reibungslose Organisation, beginnend von der Anreise über die Unterkunft, die Informationssteuerung, Waffenlagerung bis hin zur Wettkampforganisation selbst
  3. Kampf- und Schiedsrichter, die Ruhe und Kompetenz ausströmen und alles tun, um den Sportlern Höchstleistungen zu ermöglichen

Ich persönlich freue mich auf diese EPM und bin mir sicher, dass alle Verantwortlichen ihr Bestes geben, um diese EPM Schießen zu einem tollen Erlebnis zu machen.

 

Das Interview führte POK Ralph Huppertsberg vom Bildungszentrum der Thüringer Polizei